Auf dieser Seite findest du eine Auswahl von Zeitungs- oder Illustiertenartikeln, welche über oder von der Tanzschule ChoRa erschienen sind.

Der Kreistanz
als bewegendes Gemeinschaftserlebnis im Schulunterricht
 
von Adrian Gut


Bewegte Schule – ein Beispiel
Den Anfang bildete ein tanzbegeisterter Unterstufenlehrer, der viel und erfolgreich mit den Kindern seiner Klasse getanzt hatte. Als diese nun die Stufe wechseln mussten, war es ihm wichtig, dass seine Arbeit auf der Mittelstufe fortgesetzt wird, weil er den Kindern die Freude und die Lust  an der Tanzbewegung nicht nehmen wollte. Es gelang ihm, seine Kolleginnen und Kollegen für den Kreistanz zu interessieren, und in regelmäßigen Fortbildungen lernte nun das gesamte Team des Schulhauses immer wieder neue Tänze. Die Schülerinnen, Schüler und das Lehrerteam haben sich ein ganzes Tanzrepertoire erarbeitetet. Klar, dass nicht alle die gleiche  Tanzbegeisterung mitbringen,  das Projekt hat aber in der Funktion der Gemeinschaftsstiftung, als Bewegungsform und Vermittlung von (Lebens)Freude gegriffen  - so dass in einer nächsten Fortbildung sogar die Eltern miteinbezogen werden.

 Pädagogische Überlegungen zum Tanz

Mit dem Kreistanz als regelmäßiges Element im Schulunterricht können verschiedene pädagogische Ziele erreicht werden und den Schulunterricht bereichern:

Lebensfreude
Schaut man tanzenden Menschen zu, sieht man hauptsächlich lachende, fröhliche, Lebensfreude ausstrahlende Menschen. Am meisten trifft dies auf Kinder zu: legt man Musik auf, so tanzen sie freudig und energievoll durch den Raum. Tanz und Bewegung führen den Menschen auf einfachste Weise in ein Gefühl von Leichtigkeit, Beschwingtheit, Unbeschwertheit und Freude und können so die Lebensqualität steigern.

 Bewegung

Manchmal ist der Schulunterricht im Alltag ganz schön anstrengend, nicht nur für die Lehrpersonen! Eine kurze Auflockerung durch einen fröhlichen Kreistanz kann helfen, mit neuer Energie und Konzentration kognitive Aufgaben zu lösen. Zudem wissen wir aufgrund neuester Studien, dass etwas mehr Bewegung einer zunehmend „gewichtigeren“ Jugend nicht schadet.

Gemeinschaft im Kreistanz
Gerade der Kreistanz lässt Kinder erfahren, dass sie ein Teil des Ganzen - in ihrem Fall Teil einer Schulklasse  - sind. Jedes Kind hat seinen Platz.
Der Kreistanz – wie das Wort schon sagt – geht von der Form des Kreises aus. Diese Form fördert das Gemeinschaftsgefühl und das „Miteinander“. Niemand ist im Zentrum, niemand nimmt eine Sonderstellung ein, genauso ist aber niemand ausgeschlossen. Verschiedene Völker haben den Kreistanz immer wieder als verbindendes Element ihrer Gemeinschaft genutzt und gepflegt als bewusste Stärkung des sozialen Gefüges. 
In neuen Kreistanzformen sind Elemente aus traditionellen Volkstänzen unterschiedlicher Ethnien und Epochen enthalten (volkstümlich-alpenländische, afrikanische, indische, israelische usw.). Diese werden aufgegriffen und teilweise mit zeitgenössischer, moderner Musik – auch rockigen Elementen -  kombiniert, zu welcher auch Kinder und Jugendliche aus der Erfahrung ihrer eigenen Musikwelt leicht Zugang finden.
Stillstand  verhindert Entwicklung 

„Wenn du dich bewegst,
kommt etwas in Bewegung.“

Dieses schlichte, tiefsinnige Zitat offenbart den Inhalt erst über das Erlebnis: Nur wer sich in Bewegung setzt, bringt sich weiter, bringt Veränderung in sein Leben. Menschen erfahren in ihrem Leben zuweilen einen Stillstand, das Gefühl, dass nichts mehr vorwärts geht, sich nichts weiter entwickelt. Das kann im Berufsalltag ebenso erlebt werden wie im privaten Bereich oder in der Schule. Alle, Erwachsene, Kinder und Jugendliche kennen das Gefühl des Stillstandes, des Nichtwissens, wie weiter. Schwierig wird es, wenn ein Gefühl der Ohnmacht jede Vorwärtsbewegung hemmt. Irgendwie muss dieser „tote Punkt“ überwunden werden. Eine Lebensweisheit, die mir mein Vater mitgegeben hat, lautet: „Wenn nichts mehr geht, dann geh raus und beginne zu laufen. Bleibe einfach nicht stehen, denn wenn du gehst, kommt der Stillstand in Bewegung“.
Praxisbezug zur Schule
Was bedeutet diese Erkenntnis nun für die Schule? Auch im Schulalltag machen Lehrpersonen die Erfahrung, dass eine gewisse Dynamik eingebrochen und einem Gefühl der Schwere gewichen ist, dass eine Situation zum Stillstand gekommen ist.
Der Tanz bietet eine Möglichkeit, diese Situationen aufzubrechen, wieder in Fluss zu bringen. Es geht  nicht darum, den Tanz über eine schwierige Situation zu stülpen – ein Gespräch mag ebenso erforderlich sein – aber der Tanz kann die Situation und den Prozess in auflockender, freudvoller Weise unterstützen – in Bewegung setzen.
Dabei steht nicht eine komplizierte Choreografie im Vordergrund, sondern das gemeinsame  Sich-bewegen.  Der gemeinsame Tanz, die gemeinsame Bewegung bringt bewusst oder unbewusst eine Stärkung des Gemeinschaftsgefühls, des Miteinander-auf-dem-Weg-seins mit sich. Klar, dies gelingt nicht von heute auf morgen, wenn sich aber die Schüler ab der ersten Klasse an den Tanz gewöhnen und von ihm begeistern lassen, wachsen sie in die verschiedenen Vermittlungs- und Ritualmöglichkeiten, die aus pädagogischer Sicht verbunden werden können, automatisch hinein.

Tanz und Bewegung als Vorbeugung:

Der Kreistanz dient stets der Situation, in welcher er eingesetzt wird. Er ist nicht einer bestimmten Symbolik verpflichtet und damit besetzt, sondern lässt sich in verschiedenste Alltags- oder Lebenssituationen einfügen und mit ihnen verbinden. Die Situation entscheidet darüber, welche Bedeutung dem Tanz beigemessen wird.

Als Beispiele dazu möchte ich den „Zemer Atik“ vorstellen: Dieser traditionelle israelische Volkstanz ist als Segnungstanz bekannt. Er lässt sich  in seiner Einfachheit und Aussagekraft bestens als Geburtstagsritual verwenden: Das Geburtstagskind sitzt in der Mitte – die Klasse tanzt im Kreis und wünscht dem Geburtstagskind alles Gute. Dies kann eine Alternative zum „Happy birthday“ werden.
 
Bereicherung für die Schule
Musik und Tanz stellen bei fast allen Kulturen und Völkern einen festen und wichtigen Bestandteil von Festen und Ritualen dar. In unserer modernen, westeuropäischen Kultur haben sich hauptsächlich die Standart-Paartänze durchgesetzt, die Tradition der Volkstänze haben an Bedeutung verloren. Der Kreistanz kann hier neue Impulse setzten und eine Schulklasse – oder sogar ganze Schulhäuser in Bewegung bringen.
Warum nicht den Sporttag mit einem gemeinsamen Tanz beginnen oder freudvoll abschließen? Dafür gibt es einfache Tänze, wie z.B. die Polonaise zu zweit, wo einfache Raumformen getanzt werden. Ich habe Tanzanlässe erlebt, an welchen vom Kindergärtner bis zum Oberstufenschüler alle zu verschiedener Musik (über Klassik zu traditioneller Musik bis hin zu aktuellen Charts) begeistert mitgetanzt haben. Das Schuljahr mit einem Tanz zu beginnen oder abzuschießen, kann auch ein stimmiges Ritual werden, welches das Gefühl der Gemeinschaft fördert oder zum Ausdruck bringt.
 Der Kreistanz ist ein geradezu unglaublich einfaches Mittel, eine festgefahrene Schul- oder Klassensituationen wieder in Bewegung zu setzen oder ein freudvolles Ereignis zu zelebrieren.

Artikel für SchuleKonkret


von lDEBORA BERWEGER

Der Kreistanz zieht weite Kreise
Es ist die Form des Kreises, die Tanzpädagoge Adrian Gut und seine Schülerinnen fasziniert. Aus der ganzen Deutschschweiz kommen Frauen nach Bischofszell, um Kreistänze zu lernen.

Vor der katholischen Kirche in Bischofszell geht es lustig zu und her. Frauen halten Bändel in den Händen und tanzen zu rassiger Musik im Kreis. Sie lachen, wenn sie versehentlich in die falsche Richtung gehen oder wenn eine Schrittfolge nicht klappt. Den Bändelbaum-Tanz, wie auch Tänze mit Stäben, Stöcken und Schleiern hat Adrian Gut, Tanzpädagoge, neu in sein Programm aufgenommen. Schon seit bald 10 Jahren bringt er anderen Kreistänze bei. Letztes Jahr begann erstmals ein Ausbildungskurs in Bischofszell. Für die Hälfte der 20 Teilnehmer ging dieser gestern zu Ende. Sie dürfen sich jetzt «Chora Kreistanzleiterinnen» nennen. Der Rest will die Tanzerfahrung ein weiteres Jahr erweitern und vertiefen.
Tanz für die Gemeinschaft
Vor 20 Jahren hätte es das Wort Kreistanz noch nicht gegeben, sagt Adrian Gut. Tänze, die man in Kreisform tanzt, gibt es jedoch schon seit Jahrtausenden – so zum Beispiel Volks-tänze oder auch religiöse Tänze. Gut lässt sich für viele Stilrichtungen begeistern. Es sei die Mischung, die ihm gefalle, sagt er. Und deshalb findet er das Wort Kreistanzen auch so treffend für seine Ausbildungskurse. «Es ist neutral.» Was den Bischofszeller und seine Schülerinnen beim Kreistanzen so fasziniert ist die Form des Kreises. «Sie schliesst niemanden aus. Es ist ein Erlebnis, das die Gemeinschaft fördert», beschreibt Gut. Er selber hatte bereits als Jugendlicher erlebt, wie es ist, wenn «plötzlich Religion und Alter keine Rolle mehr spielen und sich das Sozialgefüge ganz auflöst.» Er war Mitglied bei der Jungwacht. Dort stand manchmal gemeinsames Tanzen auf dem Programm.
Von unbeweglichen Männern ...
Dass er jedoch schon als Jugendlicher von diesem Tanzstil begeistert war, ist aussergewöhnlich. Nicht nur, weil die meisten gemäss Gut erst in der zweiten Lebenshälfte das Kreistanzen entdecken, sondern auch, weil er ein Mann ist. Schon von Beginn weg hätten immer mehr Frauen als Männer die Kurse besucht. Seit den letzten drei Jahren hätten sich sogar gar keine Männer mehr für seine Kurse angemeldet. Warum, ist ihm ein Rätsel. «Vielleicht haben die Männer Angst», vermutet er. Oder es könnte auch damit zu tun haben, dass die Frauen «im Allgemeinen einfach beweglicher sind, als die Männer.» Beweglicher, was Konfliktlösungen oder was die kreativen Fähigkeiten anbelange.
... und von Bewegung im Volk
Gut hat die Beobachtung gemacht: «Wer sich bewegt, bei dem setzt sich etwas in Bewegung.» Er stelle oft fest, dass sich Kursteilnehmer während des Ausbildungsjahres neu orientieren oder Entscheidungen treffen. Der Tanzpädagoge bezeichnet es als seinen Wunsch, dass «das Volk in Bewegung kommt». Seinen Teil trägt er dazu bei. Er lehrt Leute das Tanzen und motiviert sie, die Tänze in Vereine, Seniorenrunden, Kinderheime oder Kirchen zu bringen. Die meisten von den Kursteilnehmern tun dies auch. Von den 170 Leuten, die bis jetzt bereits die Ausbildung abgeschlossen hätten, würden rund 120 Personen einen Tanzkreis leiten, sagt Gut. Und auch in Deutschland und Österreich beginnt das Kreistanzen Kreise zu ziehen.

Der Welt im Tanz begegnen
Tanzwelten am Bodensee


Von Irene Siegl

Vom 6. bis 12. August fand am Bodensee das diesjährige Treffen von Tanzbegeisterten in der Schweiz statt.  Teilnehmer reisten aus Deutschland ,Österreich und Italien an. Der Veranstalter, Adrian Gut, organisiert das Festival zum zweiten Mal. Er möchte neugierig machen auf andere Kulturen und schätzt ein breites Angebot an Tanzrichtungen. Verschiedene Tanzrichtungen fördern ganz nebenbei das Verständnis für die unterschiedlichsten Lebensweisen und Mentalitäten der Völker unserer Welt. Bereits vor zwei Jahren war das Festival ein großer Erfolg im schweizerischen Bildungszentrum in Einsiedeln.

Diesmal gab es ein verändertes Programm, um den Wünschen der Teilnehmer noch mehr nachzukommen. Die Festivalteilnehmer konnten Ateliers für New Dance, Afrikanischen Tanz, Irischer Solotanz und Gruppentanz und Stockkampf-Tanz besuchen. Für die Jugendlichen wurde Bollywood Dance mit HipHop Elementen unterrichtet. Geeignet für alle Tanzenden waren die Kreistänze aus dem Osten „Tänze entlang der Seidenstrasse“ und traditionelle Tänze aus dem Mittelmeerraum. Ein Einführungskurs in den Walzertakt fand statt, der nicht nur in Wien getanzt wird. In Afrika und Südamerika tönt der Dreivierteltakt zu den lokalen Tänzen. Das Programm wurde durch die beliebten südamerikanischen Rythmen Salsa, Son und Bachata abgerundet.

Generationen vereint im Tanz
Die jüngsten Teilnehmer wurden liebevoll betreut in einem eigens organisierten Kinderprogramm mit Bäumeklettern, Basteln, Malen und auch Tanzen. So fühlten sich alle Generationen gut aufgehoben. Die ältesten Festivalgäste waren über 70 Jahre alt und blühten beim Tanzen sichtlich auf. Die meisten Teilnehmer waren bewegungstalentierte Dreissig- bis Fünfzigjährige, die ihr Repertoire um Tänze erweitern wollten, die man nicht in jeder Tanzschule findet. Der Stockkampf-Tanz in der Kindergruppe war im Programm nicht vorgesehen und wurde von Adrian Gut eingeschoben, weil ein paar Kinder darum gebeten hatten.

Müde Beine und lächelnde Gesichter
Der Tag begann mit einem Morgeneinstieg. Zwischen 7:30 und 8:15 Uhr traf man sich bei der Körperarbeit „berührt sein“, meditativem Tanzen oder dynamischer Meditation. Danach wartete ein reichhaltiges Frühstücksbuffet auf die Gäste von Schloss Glarisegg. Auch am Vormittag standen stets Wasser und Früchte für die Pausen zur Verfügung. Die Ateliers begannen um 9:30 Uhr und dauerten jeweils eineinhalb Stunden. Bis zu vier Ateliers konnte man auswählen, je zwei am Vormittag und zwei am Nachmittag. Sehr aktive Menschen nutzten das volle Programm. Man erkannte sie an zeitweise müden Beine und ruhigen Schritten über den Schlosshof. Auf den Gesichtern sah man ein zufriedenes Lächeln, wenn man sich begegnete. Die Stimmung war vollkommen unbelastet und der Organisation, die mit Schweizer Perfektion und Gründlichkeit vorbildlich war, wurde am Abschlusstag noch ein besonderes Lob ausgesprochen.

Einblicke in einzelne Ateliers
Speziell war die New Dance Gruppe. Hier konnte man sich ausprobieren. Welche Bewegungen kann ich mit meinem Körper noch erfinden? Was will ich eigentlich ausdrücken im Tanzen? Die Teilnehmer erlernten Bewegungsprinzipien wie: Die Bewegung geht vom deinem Zentrum, das hinter der Blase liegt, in die Peripherie zu deinen Armen und Beinen. Claudia Roemmel erklärte - statt komplizierter Figuren - wie das gehen soll: „Mache dir den Boden zum Freund. Sinke in ihn ein und lass' so wenig wie möglich Muskelanspannung da sein.“ Anfangs gab das blaue Flecken, weil ich ungeschickt und steif mehr oder weniger auf den Boden plumpste, anstatt mich sanft hinuntergleiten zu lassen. Am letzten Tag war kein Geräusch mehr Zeuge unserer Bodenübungen. Wir rollten geschickt über das alte Parkett, standen mit Schwung auf, um uns nach einer Drehung wieder abgleiten zu lassen und ins Liegen zu kommen.
Für mich neu war auch die Paararbeit in den Ateliers für Salsa und Walzer von Karin Litschi. Karin Litschi wollte vermitteln, wie Führung beim Tanzen zustande kommt. Wie entsteht ein Dialog zwischen dem Geführten und dem Führenden? Wenn das tanzende, wortlose Zwiegespräch klappt, kommt das Tanzpaar in einen Bewegungsfluss. Bei Karin Litschi steht die Freude an der gemeinsamen Bewegung im Vordergrung. Es wird leichter und schöner für beide Tanzpartner. 
Ohne viel Worte zu machen, war das Afro Dance Atelier einfach schön. Wilde Trommelrythmen begleiteten den Tanz, genauso wie sehr melodische, ruhigere Melodien. Diese Art des Tanzen macht glücklich, wenn man sich darauf einlässt. Virginia Finnity kommt aus Zimbabwe und hat eine Ausbildung zur Tanzpädagogin in Europa durchlaufen. Sie sagt über den afrikanischen Tanz: „Am Ende lachst oder weinst du. Der erdverbundene Tanz weckt die Ursprünglichkeit im zivilisierten Menschen. Du wirst lebendig und fühlst deine Emotionen ganz direkt, wie auch immer sie sind.“

Nie Gesehenes am Abend
Das Abendprogramm bot spannende Unterhaltung. Zuerst überraschte die Brasilianerin Lina do Carmo mit ihren Solotanz „Viajante da Luz“. Diese Tanzperformance handelte von der Genesis der Erde und des Menschen, so wie die Hochkultur der Mayas sie sah. Lina gelang es, Mystik und Tanz zu verbinden und den Zuschauer in eine meditative Stimmung zu versetzen. Als Maya Priesterin gekleidet, stand sie auf der Bühne und tanzte ihre Reise durch und in das Licht.
Später trat die Gruppe Pan Bel Musa auf - Künstler, die in der Schloss Gemeinschaft leben und arbeiten – mit A-Capella Gesang und einer Persiflage auf das Geschehen zwischen Mann und Frau bei der Kontaktaufnahme. Danach dichteten sie das Märchen Dornröschen auf amüsante Weise um und sorgten so für schallendes Gelächter bei den Zuschauern. Zuletzt konnte das Publikum noch irischen Tanz, aufgeführt von einer Tanzgruppe aus Basel, geniessen. 
Informationen und Anmeldung fürs nächste Welttanzfestival 2009 über www.welttanzfestival.com oder Telefon 071/422 57 09


„Unser Volk hat immer gesungen und getanzt“ 

Kreis- und Volkstänze erfreuen sich immer grösserer Beliebtheit, da er den Praktizierenden Kraft und Energie vermittelt. Die Kreistanzschule ChoRa bietet immer wieder verschiedene Kurse, Seminare und Lehrgänge an. Am Sonntag trafen sich über 40 Personen in der Bitzihalle um gemeinsam „griechisch zu tanzen“.

 Kursleiterin aus Griechenland

Der Tanztag wurde von Ursula Kastanias ,einer Tanzpädagogin aus Griechenland, sowie dem Bischofszeller Tanzpädagogen Adrian Gut geleitet. Beide unterrichten seid mehreren Jahren Volks- und Kreistänze.Ursula Kastanias, eine Schweizerin, welche seid 20 Jahren auf der Insel IKARIA lebt hat voller Begeisterung von den Menschen und Tänzen „ihrer“ Insel erzählt. „ In den Tänzen und Liedern drückt der Grieche und die Griechin ihre Lebensfreude aus – aber auch ihr Leid und Schmerz. Schon seid Jahrhunderten sei das so“, erzählt sie, „und das sei auch einer grössten Geschenke, welches die Griechen den „ Nicht-Griechen geben könne: Das Leben durch den Tanz auszudrücken“. Auf Griechenland ist es so, dass die Tänze von Generationen zu Generation weiter geben werden. Die Tochter lernt es von der Mutter – welche es schon von ihrer Mutter gelernt hatte. Aus Dorffesten seien alle da – von den Kleinkindern bis zu den Grossmüttern – und tanzen. Die Jugend beschwingt und ausgelassen – die älteren etwas kleiner und feiner – aber nicht mit weniger Leidenschaft!

Der Tanz ist die lebendigste Ausdrucksform
Adrian Gut, welcher sich seid Jahren mit verschiedenen Formen und Arten des Kreis- und Volkstanzes auseinandersetze, legte am Sonntag den Schwerpunkt auf allgemeine griechische Volkstänze. Er sei nicht ein Speziallist in einer Richtung – sondern liebe vor allem die Vielfalt der Tänze- und Musikrichtungen. Aber die Tänze aus Griechenland liegen ihm sehr am Herzen, weil ihm das Lebensgefühl und die Lebensfreude des Menschen aus dem Süden sehr entsprechen und durch den Tanz erschliesse sich etwas von dieser Lebensarbeit. Es sei vermutlich eine der wenigen Möglichkeiten der Körpersprache und der Vitalität eines andern Volk wirklich nahe zu kommen.

Alte Tänze aus Griechenland
Die Tänze aus Griechenland sind oft sehr alte Tänze, welche schon seid Jahrhunderten, wenn nicht sogar seid Jahrtausenden, getanzt werden. Man kann davon ausgehen, dass die Form des Tanzes im Kreise zur gleichen Zeit mit dem Ackerbau entstanden ist. Das Säen, das Keimen und aufspriessen des Saatkornes und seine triumphierende Rückkehr zum Tageslicht. Diese Symbolik hat den Menschen auf den zyklischen Charakter des Lebens hingewiesen. Oft stand der Tanz der Griechen auch im Dienste eines Kultes, oder einer religiösen Handlung. Der Tanz wurde somit ein Zwiegespräch des Menschen mit der Natur, mit der er sich so eng verbunden fühlte, dass er im Tanz vollkommen mit ihr verschmilzt.

Müde und zufriedene Gesichter
Nach rund 6 Stunden Tanz waren die KursteilnehmerInnen müde, aber zufrieden und glücklich – waren sie doch für einige Momente in den warmen Süden entführt worden und haben dem Rauschen des Meeres gelauscht und mit den „Wellentanz“ sich mit dem Lebensgefühl der Griechen verbunden gefühlt. Bereits ist nächstes Jahr wieder ein ähnlicher Tanztag geplant. Zudem organisiert Adrian Gut diesen September eine Tanzreise nach IKARIA, wo er mit Ursula Kastanias eine gemeinsame Tanz- und Ferienwoche anbietet.



"Jeder Mensch hat seinen Tanz"
von Flavia Rivola

Energiequelle Tanz Der Kreis- und Gruppentanz erfreut sich immer grösserer Beliebtheit, da er den Praktizierenden Kraft und Energie vermittelt. ChoRa bildet seit vier Jahren Kreistanzleiter und -leiterinnen aus.
                                        
Was kann denn schon besonders daran sein, im Kreis herumzuhüpfen, fragt sich der Laie. Einen Einblick in eine Kreistanzlektion gewährt die Kreistanzschule ChoRa, die unter anderem im Lassalle-Haus Bad Schönbrunn unterrichtet. Auf dem Programm steht gerade Meditatives Tanzen. Im Saal geht es trotzdem fröhlich zu und her, es wird gekichert und gelacht, wenn eine Schrittfolge nicht beim ersten Mal klappt. Zwischendurch liest die Lehrerin ein passendes Gedicht vor oder erklärt den Sinn der Schritte. Die Atmosphäre ist angenehm und entspannt. „Braucht ihr eine Pause?“, werden die Teilnehmer gefragt. „Nein“, ist die einstimmige Antwort, obwohl sie schon eine Weile durchtanzen. Die Tänze werden als belebend und energiespendend empfunden. Die Kursteilnehmer kommen aus der ganzen Schweiz, die einen kennen sich schon, die anderen nicht, aber die Stimmung ist sehr familiär.

In dem einjährigen Lehrgang der ChoRa kann man sich zum Kreis- und Gruppentanzleiter ausbilden lassen. Angesprochen sind vor allem Pädagogen, Jugendarbeiter, Therapeuten und Pfarreimitarbeiter. Die Ausbildung umfasst sechs Wochenenden und wird von der ChoRa auch in Deutschland und Österreich angeboten. Leiter der Thurgauer Kreistanzschule ist Adrian Gut, der die ChoRa vor vier Jahren gegründet hat. Ursprünglich Primarlehrer, machte er später eine Zusatzausbildung als Tanzlehrer. Der Pädagoge aus Leidenschaft betätigte sich ebenfalls als Katechet und Jugendleiter, wodurch er auf den Kreistanz aufmerksam wurde. In Zusammenarbeit mit der Jugendseelsorge Thurgau erschien eine CD-Reihe zum Kreistanz, mit dem Titel „Rockig-Traditionell-Meditativ“. Im gleichnamigen Kurs der ChoRa erlernen die Teilnehmer ein Tanzrepertoire von über 60 Tänzen in allen drei Musiksparten. Unter „Rockig“ versteht Gut aktuelle Stilrichtungen wie zum Beispiel Hip-hop, Pop und Rock. Seine Devise lautet dabei, „Wer Meditation und Stille erleben will, muss auch das Wilde und Laute kennen“. Diesen Goethe’schen Grundsatz vertritt auch die Gastdozentin in Meditation des Tanzes Lilly Puwein während ihrer Lektion: Wer in sich gehen will, muss auch aus sich heraus gehen können. Die Kreistänze eignen sich aber für Menschen jeden Alters, da man sie unterschiedlich schwierig gestalten kann. So unterrichtet Gut beispielsweise auch Seniorengruppen.

Im Kreis zu tanzen macht Sinn, da der Tanz nie unterbrochen werden muss, wenn etwa der Raum zu klein würde. Der Kreis ist für Gut aber auch ein Symbol für das Lebensrad oder die Welt an sich. Der Mensch ist Teil eines Ganzen, in dem ein Stück fehlen würde ohne ihn. Oft wird in mehreren Kreisen, in sogenannten Mandala-Mustern getanzt. Die Kursteilnehmer entwickeln auch eigene Choreographien, die Gut gerne in sein Repertoire aufnimmt: „Meiner Meinung nach hat jeder Mensch seinen spezifischen Tanz.“

Gut hat die Beobachtung gemacht: „Wer sich bewegt, bei dem setzt sich etwas in Bewegung“. Durch das Tanzen verändert sich manchmal auch im Leben der Gruppenmitgliedern etwas. Zum Beispiel, dass eine fällige Entscheidung endlich getroffen wird. Oder dass sich mit einer offeneren Körperhaltung ein höheres Selbstvertrauen einstellt. „Ich würde meine Kurse jedoch nie als Therapie anpreisen“, betont er. Seine Kurse bezwecken, dass die Tänze in den eigenen Arbeitsbereich umgesetzt werden können. Generell sollen Kreistänze ein grösseres Bewegungsrepertoire und ein Gemeinschaftsgefühl verschaffen. Luzia Gnos aus Engelberg, ursprünglich aus dem Kanton Uri, vermisst die Kreistanzgruppe an ihrem Wohnort. „Früher war die Kreistanzgruppe ein fester Bestandteil in meinem Freizeitplan. Sie diente mir als Tankstelle für neue Kraft und Energie.“ Sie besucht nun solche Blockkurse sooft sie kann. Maja Ledergerber aus dem Sihltal will deshalb aktiv werden. Sie besucht den Kurs mit dem Ziel, selbst eine Gruppe auf die Beine zu stellen. Sie empfindet den Kreistanz ebenfalls als anregend: „Egal wie schlapp ich vorher war, nach den Lektionen fühle ich mich nie müde.“ Sie hat auch schon Tanzgottesdienste besucht, wobei sie die getanzten Gebete als Belebung und Bereicherung empfunden hat.

Kreistanzgruppen sind beispielsweise im Kanton Zug in mindestens fünf Gemeinden vertreten. In Steinhausen findet einmal monatlich Kreistanz statt. Die Leiterin Trix Brenner nimmt zur Weiterbildung an dem Kurs im Lassalle-Haus teil. Sie ist sozialdiakonische Mitarbeiterin der reformierten Kirche Steinhausen und arbeitet häufig auch mit Kindern. Ihre Kreistanzgruppe ist schon in der reformierten Kirche aufgetreten. „Natürlich tanzen nicht alle Leute mit, die einen genieren sich oder mögen nicht. Aber das Echo ist positiv.“ bemerkt sie. Gut kann ebenfalls positive Reaktionen sowohl von Teilnehmern als auch von Pfarrern der Tanzgottesdienste verbuchen. Und ein weiteres Kursmitglied fügt hinzu: „Die Tänze sind vielleicht nicht unbedingt attraktiv anzuschauen, zum Mittanzen eignen sie sich jedoch hervorragend."

 Was ist Kreistanz

Die Grundidee ist simpel: Beliebig viele Personen fassen sich an den Händen und tanzen im Kreis. Diese Art von Tanz kennen die Menschen seit ewigen Zeiten und in allen Kulturen. Der Kreistanz ist aus den diversen traditionellen Volkstänzen entstanden und wird nun mit modernen Tanzschritten und zeitgenössischer Musik angereichert. Es werden verschiedene Schrittfolgen getanzt, die sich wiederholen. Das Repertoire an Choreographien reicht mittlerweile von einfacher Bewegungsmeditation über getanzte Gebete bis hin zu fröhlichen Festtänzen. Die Tänze sind beliebig gestaltbar und somit für jede Altersstufe geeignet. Sie sind an keine Religion gebunden, ermöglichen aber Gemeinschaftserfahrungen, die besonders in der Pfarreiarbeit, Schule, Jugendarbeit und an Festen geschätzt werden. An verschiedenen Orten der Schweiz gibt es solche Tanzkreise, in der offenen Kirche St.Gallen oder in Rapperswil werden sogar regelmässig Tanzgottesdienste abgehalten. Im Urchristentum scheint eine lebendige Tanztradition im Gottesdienst bestanden zu haben. Mit der Zeit verkümmerte sie aber zur reinen Gebärdensprache der heutigen Liturgie. In den 70er Jahren ist dieses Brauchtum wiederentdeckt und seither weiterentwickelt worden. Das Ziel dabei ist, durch das Medium Tanz die Menschen einander näher zu bringen. Die Angebote solcher Tanzkreise ist in den letzten zehn Jahren gestiegen, allein in der Stadt St.Gallen existieren zehn verschiedene Tanzkreise.  

«Soziale Gefüge lösen sich auf»

Der Bischofszeller Adrian Gut unterrichtet Kreistanzen

Ob Klassik, Folklore oder moderne Rhythmen: Zu jeder Art Musik lassen sich Kreistänze durchführen. Adrian Gut bringt in seiner Kreistanzschule anderen Menschen diese Art des Tanzens bei.

von Nadine Kugler

«Als Kind wollte ich schon immer tanzen», erinnert sich Adrian Gut. Diese Art Bewegung sage ihm einfach zu. In seinem Elternhaus sei seine Vorliebe nicht unterstützt worden. In der Jugendarbeit habe er Kreistänze kennen gelernt. Diese hätten ihn fasziniert, und er habe eine Ausbildung nach der anderen absolviert, um mehr zu lernen. Er habe gemerkt, dass er mit dieser Art der Bewegung arbeiten wolle. Schliesslich habe er sich an der Tanzwerkstatt Konstanz zum Tanzpädagogen ausbilden lassen. Vor drei Jahren gründete Adrian Gut die Kreistanzschule Chora in Bischofszell. Der Name Chora habe seine Wurzeln im griechischen Wort Chireia, was Tanzort der Begegnung bedeute.

Für jede Generation

Ihm gefielen die klaren Strukturen der Kreistänze. Auf der anderen Seite schätze er auch Performances mit freiem Tanz. «Mir sind beide Formen wichtig.» In seinen Kursen arbeite er mit allen Generationen. Es gäbe Tänze für jedes Alter, für Männer und Frauen. Auch traditionelle Volkstänze würde er vermitteln. «Für mich bleibt Tradition aber auch veränderlich und beweglich. Sie ist nicht steif», erklärt er. Tänze sagten heute etwas anderes aus, als sie es vor Jahrzehnten getan hätten. «Der Zeitgeist geht mit dem Tanz mit.»

Bei Kreis- oder Gruppentänzen bestehe nie das Problem, dass es zu wenig Männer gebe, wie das bei Standard-Tänzen oft der Fall sei. «In Kreistänzen lösen sich soziale Gefüge auf», sagt Adrian Gut. Leute, die sich nicht kennen, begegneten sich beim Kreistanzen über das Erlebnis und lernten sich so auf eine andere Art kennen.
Er sei auch schon bei Hochzeiten von Freunden gebeten worden, mit der ganzen Gesellschaft zu tanzen. So hätten schon 80 Leute über zwei Stunden gemeinsam getanzt, erzählt er. Im Kreistanz könne eine andere Form von Festkultur erlebt werden. Das sei bei den Standard-Tänzen anders. Andere Völker hätten eine ganz andere Tanzkultur bei Hochzeiten. «Bei uns ist diese Form der Festkultur verloren gegangen.»

Er füge gerne neue Formen des Tanzes zusammen. Verschiedene Tanzarten liessen sich kombinieren und damit neues schaffen. «Ich gehe dabei über die Normen hinaus. Manchen Leuten ist das ein Greuel.» Doch das mache ihm nichts aus. Er verstehe sich auch als eine Art Botschafter für den Tanz. «Ich möchte, dass eine neue Form von Tanzkultur stattfindet», betont der 32-Jährige. Es sei wichtig, dass die Leute miteinander tanzten. Es gäbe Tänze für jede Lebenssituation.

Netzwerk des Tanzes

Die Kreistanzschule habe er gegründet, weil er den Leuten das Tanzen weitergeben wolle. Er bilde andere aus, die dann wiederum ihr Wissen über die Tänze weitergäben. So solle die Begeisterung für Kreistänze wachsen, sich multiplizieren. Es solle ein Netzwerk entstehen. Er bilde in seiner Schule Jugendarbeiter, Psychologen, Ärzte oder auch Turnleiter aus. In anderen Kursen stehe aber wieder nur die Freude am Tanzen im Vordergrund. Die Schule habe er als «Gefäss» gegründet. «Die Schule soll nicht mit meinem Namen verknüpft sein», erklärt Adrian Gut. Jetzt könnte die Schule auch für einige Jahre von jemand anderem geführt werden. Die Schule solle von der Idee ausgehen, nicht an ihm hängen.

Adrian Gut unterrichtet mittlerweile in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland. In der Schweiz führe er seine Kurs in Bildungshäusern durch. Das Knüpfen der Kontakte im Ausland sei eine Herausforderung gewesen. Aber er habe sich gesagt, wenn er sich alles für die Schweiz erarbeitet habe, könne er das auch auf Deutschland und Österreich ausdehnen.

Körper besser wahrnehmen
Bei den Kreistänzen gehe es ihm nicht nur um das Tanzen. Er lege auch Wert auf Körperarbeit, sagt Adrian Gut. Die Teilnehmenden sollten lernen, ihren Körper besser wahrzunehmen. Deshalb gehörten in den Kursen auch Lockerungs- und Entspannungsübungen dazu. Kreistänze könne man zu allen Musikrichtungen durchführen. Ob Klassik, Folklore oder moderne Musik, es finde sich immer ein passender Kreistanz. Gerade bei Jugendlichen achte er darauf, aktuelle Lieder auszuwählen. «Ich habe die Hitparade wahrscheinlich noch nie so gut gekannt, wie jetzt», erklärt Adrian Gut. Mittlerweile unterrichte er eine Mischung aus meditativem, rockigem und traditionellem Kreistanz. Das töne vielleicht gegensätzlich. Aber wer Meditation kennen lernen wolle, müsse auch das Wilde, eben Rockigere, kennen. (kug)