Was muss man also tun,
um zu lieben? –

Dazu bedarf es keiner anderen Kunstgriffe,
als einfach zu lieben;

so wie man Laute spielen lernt,
indem man Laute spielt,

und tanzen lernt,
indem man tanzt.


Franz von Sales

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es ist Herbstzeit
Bäume und Büsche ziehen alle Register
leuchten in voller Farbenpracht
bald schon wieder erlischt das Bunte
unter weissen Schneedecken
um im Frühling in alter Frische
neu zu erblühen

mit Jahreszeiten
mit Tag und Nacht
mit jedem Lidschlag
und dem Auf und Ab des Atems

fortan Lebenswertes auskosten
das Vergehen und das Werden
die Alchemie
vom Loslassen und Binden

und im liegenden Herbstlaub
Purzelbäume schlagen vor Glück
beglückt vom stetigen Werden
(A. Feichtinger)


"Ich möchte werden
wie das fallende Blatt
im Herbst
das drehend zur Erde gleitet
alle Seiten zeigend
ganz rein
ganz nackt
ganz absichtslos"

(T.R.N.Kiichi)




ICH BIN TANZ
ICH BIN LEBEN

ICH BIN FREUDE
ICH BIN REGEN

ICH BIN EINFACH
ICH BIN GEBEN

ICH BIN - ICH BIN SEGEN



der winter ist eine einladung zum ausruhen und zusichkommen.
zum nachfühlen und wirkenlassen.
zum distanzgewinnen und erwägen:
zum wiederholen und begreifen.
zum vertiefen und auskosten.
zum raumgeben und beherzigen.
zum verdauen und verarbeiten.
zum ertragen und durchstehen.
zum kraftholen und widerstehen.
zum demutlernen und verzeihen.
zum danken und loben.



der winter ist eine einladung zum schauen und hören.
zum schmecken und riechen.
zum tasten und fühlen.
zum wohnen und geniessen.
zum erzählen und singen.
zum spielen und tanzen.
zum diskutieren und pläneschmieden.
zum basteln und werken.
zum stricken und schneidern.
zum musizieren und malen.
zum dichten und vorlesen.
zum drandenken und briefeschreiben.
zum bücherlesen und wiederlesen.
zum phantasieren und erfinden.
der winter ist eine einladung zur lebenskunst.

(bruno und vreni dörig-hug )





wurzeln und wind

mich in die erde verwurzeln
mich ergründen
in die tiefe gehen
halten und gehalten werden
heimat und quelle
sein und werden

den himmel umarmen
im wind stehen und weit sein
sehnsüchtig bereit und offen
blätter raunen
äste tanzen
liebkost- umspielt
zerzaust-gepackt

wurzeln und wind
tiefe und weite
heimat und herausforderung

und der weg beginnt

(andrea schwarz)


beflügelt

im anfang
noch unsicher
zu sehr im verstand
dann werde ich bewegt
durch die kraft der musik
und der gemeinschaft

es ist
wie wenn feuer
durch mich fliessen würde

kraft tanzt durch mich

zwischen himmel und erde
lasse ich mich beflügeln zum tanz
der mich mit allem verbindet

nach p.stutz


Voll Blüten

Voll Blüten steht der Pfirsichbaum
nicht jede wird zur Frucht,
sie schimmern hell wie Rosenschaum
durch Blau und Wolkenflucht.

Wie Blüten gehn Gedanken auf,
hundert an jedem Tag –
Lass blühen! Lass dem Ding den Lauf!
Frag nicht nach dem Ertrag!

Es muss auch Spiel und Tanze sein
und Blütenüberfluss,
sonst wäre die Welt uns viel zu klein
und Leben kein Genuss.

nach Hermann Hesse


"Tanz ist schweigende Poesie

- die Poesie ist schweigender Tanz."


Simonides


        ...und wenn
die Tänzer und Musiker kommen,
so nehmt von ihren Gaben,
denn was sie bringen,
obwohl aus Träumen geschaffen, 
ist Kleidung und Nahrung
für die Seele....


nach Khalil Gibran                           

oh du Tanz zur Quelle

leise und zart
lebendig und fruchtbar
menschenfreundlich und liebend
achtsam und ehrlich
aufrichtig und echt

du Tanz des Lebens
du geliebte Quelle meines Seins

(nach Kurt Gisler)


Wirf deine Schuhe weg und tanze
lass die Musik deinen Körper erobern
und deine Seele
schliess deine Augen und träume
tanze und träume und tanze die Liebe
tanze und träume und tanze das Leben
tanze und tanze und tanze

von Lisl Beck ( lisl.beck@gmx.at )


"TANZEN hinterlässt Spuren....
...auf der TANZfläche....
......in meinen Gedanken....
    .......in meinem Körpergefühl....
  ......in meiner Seele....
.....in meiner LEBENsweise....
  ......ganz leise..."

Herta Erhart


Ob ein Mensch glücklich ist,
hängt weder vom Geld noch vom Körper ab,
sondern ob er mit sich zurechtkommt.
(Demokrit)


Die Kräfte der Welt 
Alle Kräfte der Welt wirken in Kreisen.
Der Himmel ist rund,
und wie ich höre ist die Erde rund wie eine Kugel,
und ebenso alle Sterne.
Wenn der Wind am heftigsten weht, bildet er runde Wirbel.
Die Vögel bauen ihre Nester kreisrund,
den sie haben die gleiche Religion wie wir.
Die Sonne geht in einem Kreis auf und wieder unter.
Der Mond macht es ebenso, und beide sind rund.
Sogar der Wechsel der Jahreszeiten bildet einen grossen Kreis
und kehrt immer wieder dorthin zurück, wo er begann.
Das Leben des Menschen ist ein Kreis 
–       von Kindheit zu Kindheit -,
und so ist es mit allem, worin sich die Kraft der Welt regt.

(Black Elk, um 1930)

Dort draussen,

wo ich mich hinwende,

das bin ich.

Und der weite Horizont öffnet sich

wie eine Blume in meinem Herzen.

Erst seit ich tanze lebe ich

vorher habe ich nicht existiert.

Wo immer der/die Tanzende mit dem Fuss auftritt,

da entspringt dem Staub ein Quell des Lebens.

(Rumi)


"Alles wahre Leben ist Begegung." Buber


Herbst

Herbstblätter,
Tränenschwere,
dunkle Schatten,
Abschied wieder-
doch die Nähe,
die gelebte,
nicht verlieren,
anderenortens
weitertragen,
und das Leuchten
unserer Seelen,
das die Liebe
und der Tanz
entzündete,
wirken lassen
warm und hell.  
 
nach einem Text von Ch. Spilling-Nöker 


Denn  der  Tanzt

“...kommt zusammen, wo tanzend man sich trifft

wo erfahrungen des lebens schritte sind

sonne, kreuz und ahnen, hochzeit und tod und lebenskraft

liegt verborgen in dem reigen, der das lied erschafft”

Arno Münz


Tänzerin
von Silja Walter
(dieses Gedicht hat sie im Alter von 19 Jahren geschrieben!)

Der Tanz ist aus. Mein Herz ist süss wie Nüsse,
und was ich denke blüht mir aus der Haut.
Wenn ich jetzt sacht mir in die Knöchel bisse,
sie röchen süsser als der Sud Melisse,
der rot und klingend in der Kachel braut.

Sprich nicht von Tanz und nicht von Mond und Baum
und ja nicht von der Seele, sprich jetzt nicht.
Mein Kleid hat einen riesenbreiten Saum,
damit bedeck ich Füsse und Gesicht.

Sprich nicht von Tanz und nicht von Stern und Traum
und ja nicht von der Seele, lass uns schweigen.
Mein Kleid hat einen riesenbreiten Saum,
darin ruht verwahrt der Dinge Sinn und Reigen.

Ich wollte Schnee sein mitten im August,
und langsam von den Rändern her vergeh’n
Langsam mich selbst vergessen, ich hätt’ Lust ,
dabei mir selber singend zuzuseh’n.


"Es gibt viele Wege zu Gott,
ich habe die Musik und den Tanz gewählt."

Mevlana

Gebet

Ich kann nicht tanzen, Gott,
es sei den, du führtest mich.
Dann aber tanz’ ich in die Liebe,
aus der Liebe in die Erkenntnis,
aus der Erkenntnis in den Genuss,
aus dem Genuss tanze ich
über alle menschlichen Sinne hinaus.
Dort will ich bleiben,
obwohl ich doch hier
weiterstreiten muss.
 
Mechthild von Magdeburg, 13. Jhd.


Als alles Nacht war,

als alle Wesen noch dunkel waren,

bevor sie Wesen wurden,

war ein Tanz,

eine klare Geste,

ein Bewegung in der Nacht.

Am Anfang war der Tanz.

Der Kosmos wurde tanzend erschaffen.

und deshalb tanzen alle Dinge.


frei nach Ernesto Cardenal



Tanzlied von Martin Gutl

Tanze, Adam, tanze, Eva, tanze, o Mensch,
denn du bist frei!
Freigelassen von einer Schöpferhand.
Du bist an kein Schicksal geschmiedet.
Du bist an keine Dämonen gebunden.
Du bist an keine Götter gekettet.

Tanze mit deinen Blicken und Händen!
Tanze mit deiner ganzen Gestalt,
tanze wie ein Sonnenstrahl im bewegten Wasser,
tanze wie ein buntes Blatt im Herbst,
tanze unter der Kuppel des Kosmos
den Tanz eines Menschen.

Zeige in deiner Wendung das Werden des Menschen
von der Gier bis zur Sehnsucht!

Und im Tanz wird sich Binde um Binde von den Augen lösen,
und du wirst sehen, wie alles zufließt auf das eine Geheimnis.
Und du wirst so lange tanzen, bis Himmel und Erde, ich und du eins sind.
Du wirst mit deinem Tanz wie ein Stein im Wasser
Ring um Ring in Bewegung setzen.
Auf deinen Tanz wartet dein Schöpfer.

Tanze, oh Mensch!
Du hast allen Grund zu tanzen,
vor dir Unendlichkeiten!

Noch ist kein Ende im Ahnen, im Schauen, im Staunen.
Noch kannst du so vieles erleiden, erzittern,
erfassen, erfinden.

Greife aus – du greifst in grenzenlose All!
Bleibe nicht länger in deiner Klause,
tanze, wie Liebende tanzen:
Tanze bis in die Herzmitte Gottes hinein!


wie schön wenn du tanzt

es drehen sich die Sinne

eins-sein mit allem


ChoRa Haiku 1/ 2005


Der Tänzer

Denn tanzen muss er
dem tollen Rad verflochten
gliedert er Chaos
schwendet Quellen
stampft zuckende Krater
im Drang
des grossen Taktes
tanz er Gestirne

nach Bess Brenck-Kalischer


„Mitten im Alltag einen Ort der Fantasie, des Spieles und des Tanzes schaffen.
Sehnsüchte, Träume, Ängste und Wünsche sichtbar werden lassen! Das Unmögliche machen – zumindest das freche Behaupten, Anstiften zur Lust am Spiel – auch am Makaberen; Skurrilen, Fremdartigen. Der Wirklichkeit ein Schnippen schlagen, wenn sie schon immer das Letzte Wort haben muss.“


Nach C. Buffo

"Stell dir vor,
du hättest dich heute ins Leben vertanzt
und dabei ganz vergessen,
wo dir der Kopf steht:
Hätte diese Situation für dich Hand und Fuss?"

C. Roemmel















Aus der Reihe tanzen

Die Bewohner einer kleinen Stadt in Russland erwarteten wieder einmal ungeduldig die Ankunft der weisen Frau, die hin und wieder in die Stadt kam, um mit den Menschen zu singen, zu tanzen und zu reden.
Als sie schliesslich kam und die Bewohner  mit ihr im grossen Stadthaus zusammentrafen, sangen und tanzten sie den ganzen Abend.

Am nächsten Morgen  trafen sich  alle wieder und die Frau setzte sich auf einen Stuhl,  lächelte und sagte:
„Heute wäre ein guter Tag, um etwas Aussergewöhnliches zu tun“, begann sie,„ zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit auf der Strasse  tanzen, einem oder einer Unbekannten in die Augen schauen und von Liebe auf den ersten Blick sprechen, dem Chef gegenüber eine Idee vorbringen, mit der wir uns vielleicht lächerlich machen, an die wir jedoch glauben oder ein Instrument kaufen, das wir schon immer spielen wollten, aber nicht wagten.

Weise Menschen gestehen sich solche Tage zu, denn in solchen Tagen liegt Kraft und  Lebensfreude!“
Dann stand sie auf, forderte die Menschen der Stadt zu diesem aussergewöhnlichen Tag auf, verliess das grosse Haus und trat ihre Heimreise an.
Was geschah wohl an diesem Tag in jener Stadt?
(Nach Gedanken von P.Coelho)

Es war, als hätt' der Himmel
die Erde still geküsst,
dass sie im Blütenschimmer
von ihm nun träumen müsst.
 
Die Luft ging durch die Felder,
die Ähren wogen sacht,
es rauschten leis' die Wälder,
so sternklar war die Nacht.
 
Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande,
als tanze sie nach Haus.


Text: nach Joseph von Eichendorff